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Schadstoffe beim Renovieren: erst prüfen, dann rausreißen
Wer ein Haus mit Baujahr vor 1994 renoviert, sollte vor dem ersten Rückbau klären, ob Asbest, PAK-haltige Teerkleber, Holzschutzmittel oder alte Mineralwolle verbaut sind. Das Baujahr grenzt die Verdachtsstoffe stark ein – und die Laboranalyse einzelner Materialproben schafft Gewissheit, bevor Staub entsteht.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Einzelfallberatung, Vor-Ort-Begutachtung oder rechtliche Prüfung.
Warum „erst prüfen, dann rausreißen“?
Gefährlich werden viele Altbaustoffe erst durch die Bearbeitung: Wer schleift, bohrt oder abreißt, setzt Fasern und Stäube frei. Eine Materialprobe vor Beginn der Arbeiten kostet wenig Zeit – ein kontaminierter Rohbau kostet Wochen.
Vier typische Situationen, in denen sich die Frage stellt – vielleicht erkennen Sie Ihre eigene wieder:
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Renovierung geplant
Sie wollen im Wohnzimmer Ihres 1958 gebauten Hauses das alte Stabparkett herausnehmen. Darunter: eine schwarzbraune, spröde Kleberschicht. Genau solche Teer- und Bitumenkleber können hohe PAK-Gehalte aufweisen – bearbeiten Sie sie nicht, bevor eine Probe analysiert ist.
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Hauskauf
Doppelhaushälfte, Baujahr 1972: Im Keller liegen graue Bodenplatten im kleinen Plattenraster (Verdacht Floor-Flex), im Flur hängt ein alter Nachtspeicherofen. Beides sind klassische Asbest-Verdachtsfälle dieser Baujahre – prüfen Sie, bevor Sie Sanierungskosten kalkulieren.
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Reparatur im Bestand
Der Elektriker soll in einem Haus von 1980 neue Leitungen schlitzen. In dieser Zeit können Spachtelmassen und Fliesenkleber asbesthaltig sein. Klären Sie das, bevor die Maschine angesetzt wird – nachträglich ist der Staub in der ganzen Wohnung.
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Wasserschaden
Nach einem Rohrbruch öffnet die Trocknungsfirma den Bodenaufbau. Kommt unter dem Estrich eine schwarze Kleber- oder Sperrschicht zum Vorschein oder alte Dämmwolle, gehört eine Probe ins Labor, bevor weiter zurückgebaut wird.
Welche Schadstoffe sind je Baujahr typisch?
Bis 1993 ist Asbest möglich (Schwerpunkt 1960–1979), bis in die 1970er-Jahre Teerkleber mit PAK, bis Ende der 1980er Holzschutzmittel – und Mineralwolle mit Einbau vor etwa 2000 gilt als kritisch.
Die folgende Tabelle ordnet typische Verdachtsstoffe den Baujahresklassen und Bauteilen zu. Sie zeigt Verdachtsmomente, keine Befunde – ob ein Material tatsächlich belastet ist, klärt nur die Analyse.
Baujahresklasse wählen:
Boden
Teerhaltiger Parkett- und Steinholzkleber (PAK), Asphaltestrich, Schlackenschüttung in Holzbalkendecken
Wand & Decke
Bleihaltige Altanstriche, teerhaltige Sperr- und Abdichtungsschichten (PAK)
Dach & Fassade
Teerhaltige Dachpappe (PAK), vereinzelt frühe Asbestzementplatten
Technik & Sonstiges
Bleirohre in der Trinkwasserinstallation, Holzschutzmittel im Dachstuhl (oft auch später nachbehandelt)
Boden
Floor-Flex-Platten (Asbest) mit schwarzem Kleber (PAK), Teerkleber unter Parkett (bis ca. Anfang der 1970er), Cushion-Vinyl mit asbesthaltiger Rückseite
Wand & Decke
Spritzasbest (bis zum Verbot 1979, v. a. Stahl- und Skelettbau), asbesthaltige Leichtbauplatten, PCB-haltige Fugendichtmassen (v. a. Betonbauweise), Holzschutzmittel (PCP/Lindan) auf Vertäfelungen und Balken
Dach & Fassade
Asbestzement-Wellplatten und Fassadenplatten, Fensterbänke aus Faserzement, teerhaltige Dachbahnen
Technik & Sonstiges
Nachtspeicheröfen (teils asbesthaltig), Dichtschnüre an Öfen und Kesseln, alte Mineralwolle (KMF), asbesthaltiger Fensterkitt
Boden
Vereinzelt noch asbesthaltige Bodenplatten und Kleber (bis zum Verbot 1993)
Wand & Decke
Asbesthaltige Spachtelmassen und Fliesenkleber möglich, Formaldehyd aus Spanplatten (v. a. frühe 1980er), Holzschutzmittel bis Ende der 1980er
Dach & Fassade
Asbestzementprodukte bis 1993 (Dach, Fassade, Fensterbänke)
Technik & Sonstiges
Alte Mineralwolle (KMF), Nachtspeicheröfen älterer Bauart, asbesthaltige Dichtungen
Boden
Weitgehend unauffällig; lösemittelhaltige Kleber und Beschichtungen möglich
Wand & Decke
Formaldehyd deutlich reduziert (E1-Ware), sonst meist unkritisch
Dach & Fassade
Asbestfrei (Verwendungsverbot seit 1993)
Technik & Sonstiges
Alte Mineralwolle (KMF): Dämmstoffe mit Einbau vor ca. 2000 gelten als biopersistent und damit kritisch
Boden
Originalsubstanz in der Regel unkritisch
Wand & Decke
Originalsubstanz in der Regel unkritisch
Dach & Fassade
Originalsubstanz in der Regel unkritisch
Technik & Sonstiges
Achtung bei wiederverwendeten Altbaustoffen und bei älteren Gebäudeteilen (Anbau, Kernbau); Feuchte- und Schimmelschäden sind baujahrsunabhängig
Gesamte Baujahr-Tabelle anzeigen
| Baujahr | Boden | Wand & Decke | Dach & Fassade | Technik & Sonstiges |
|---|---|---|---|---|
| bis 1960 | Teerhaltiger Parkett- und Steinholzkleber (PAK), Asphaltestrich, Schlackenschüttung in Holzbalkendecken | Bleihaltige Altanstriche, teerhaltige Sperr- und Abdichtungsschichten (PAK) | Teerhaltige Dachpappe (PAK), vereinzelt frühe Asbestzementplatten | Bleirohre in der Trinkwasserinstallation, Holzschutzmittel im Dachstuhl (oft auch später nachbehandelt) |
| 1960–1979 | Floor-Flex-Platten (Asbest) mit schwarzem Kleber (PAK), Teerkleber unter Parkett (bis ca. Anfang der 1970er), Cushion-Vinyl mit asbesthaltiger Rückseite | Spritzasbest (bis zum Verbot 1979, v. a. Stahl- und Skelettbau), asbesthaltige Leichtbauplatten, PCB-haltige Fugendichtmassen (v. a. Betonbauweise), Holzschutzmittel (PCP/Lindan) auf Vertäfelungen und Balken | Asbestzement-Wellplatten und Fassadenplatten, Fensterbänke aus Faserzement, teerhaltige Dachbahnen | Nachtspeicheröfen (teils asbesthaltig), Dichtschnüre an Öfen und Kesseln, alte Mineralwolle (KMF), asbesthaltiger Fensterkitt |
| 1980–1993 | Vereinzelt noch asbesthaltige Bodenplatten und Kleber (bis zum Verbot 1993) | Asbesthaltige Spachtelmassen und Fliesenkleber möglich, Formaldehyd aus Spanplatten (v. a. frühe 1980er), Holzschutzmittel bis Ende der 1980er | Asbestzementprodukte bis 1993 (Dach, Fassade, Fensterbänke) | Alte Mineralwolle (KMF), Nachtspeicheröfen älterer Bauart, asbesthaltige Dichtungen |
| 1994–2000 | Weitgehend unauffällig; lösemittelhaltige Kleber und Beschichtungen möglich | Formaldehyd deutlich reduziert (E1-Ware), sonst meist unkritisch | Asbestfrei (Verwendungsverbot seit 1993) | Alte Mineralwolle (KMF): Dämmstoffe mit Einbau vor ca. 2000 gelten als biopersistent und damit kritisch |
| ab 2000 | Originalsubstanz in der Regel unkritisch | Originalsubstanz in der Regel unkritisch | Originalsubstanz in der Regel unkritisch | Achtung bei wiederverwendeten Altbaustoffen und bei älteren Gebäudeteilen (Anbau, Kernbau); Feuchte- und Schimmelschäden sind baujahrsunabhängig |
Wichtig: Umbauten verschieben die Klassen. Ein 1965 gebautes, 1995 teilsaniertes Haus kann beides enthalten – neue, unkritische Oberflächen über altem Teerkleber. Maßgeblich ist immer das Alter des einzelnen Bauteils, nicht das Jahr im Exposé.
Gut zu wissen: Bei Gebäuden mit Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 gilt nach der Gefahrstoffverordnung grundsätzlich Asbestverdacht. Wer Bau- oder Abbrucharbeiten in Auftrag gibt, muss dem ausführenden Betrieb das Baujahr und bekannte Informationen zu Schadstoffen mitteilen.
Wenn Sie sichergehen wollen: Kleberprobe auf PAK prüfen lassen
Der schwarze Kleber unter Parkett, Dielen oder alten Belägen ist der häufigste Verdachtsfall beim Renovieren. Ein daumennagelgroßes Stück reicht für die Laboranalyse auf die 16 EPA-PAK. Die Auswertung erfolgt in DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren (DIN EN ISO/IEC 17025).
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Welche Materialproben lohnen sich zuerst?
Zuerst die Stellen, die bei der Renovierung ohnehin bearbeitet werden: Kleber unter Bodenbelägen, verdächtige Bodenplatten, Spachtelmassen und Dämmwolle. Eine Probe pro Material und Fläche.
- Schwarzer Kleber unter Bodenbelägen → PAK-Analyse (EPA-16, Leitparameter Benzo[a]pyren). Bewertung nach TRGS 551/UBA: unter 50 mg/kg unbedenklich, 50–1.000 mg/kg mit Vorsicht, über 1.000 mg/kg erheblich.
- Bodenplatten in Keller, Flur oder Küche (Verdacht Floor-Flex) → Asbestanalyse per REM/EDX nach VDI 3866 Blatt 5.
- Wellplatten, Fassaden- und Fensterbankplatten aus Faserzement → Asbestanalyse.
- Spachtelmassen und Fliesenkleber in Gebäuden von 1960 bis 1993 → Asbestanalyse, bevor Wände geschlitzt oder Fliesen abgeschlagen werden.
- Dämmwolle in Dach und Decken → Einbaujahr klären; bei Einbau vor ca. 2000: als alte Mineralwolle (KMF) behandeln. Mehr zu alter Mineralwolle
- Behandelte Hölzer (Dachstuhl, Vertäfelungen mit sichtbaren Anstrichresten) → Verdacht auf Holzschutzmittel; hier hilft zunächst die Sichtung von Unterlagen und Behandlungsspuren.
So läuft eine Laboranalyse ab
Verdachtsstelle festlegen, kleine Materialprobe entnehmen, sicher verpacken, einsenden – das Labor analysiert, der Befund wird verständlich bewertet. Ohne Termin, ohne Vor-Ort-Besuch.
- Verdachtsstelle festlegen: Was wird bei Ihrer Renovierung tatsächlich bearbeitet? Genau dort ansetzen.
- Probe entnehmen: Ein daumennagelgroßes Stück genügt meist. Handschuhe tragen, Staub vermeiden.
- Sicher verpacken: Probe in einen dichten Beutel, beschriften (Raum, Bauteil, Datum).
- Einsenden und analysieren lassen: Die Auswertung erfolgt in DAkkS-akkreditierten Partnerlaboren (DIN EN ISO/IEC 17025).
- Ergebnis bewerten: Der Befund zeigt, ob und wie belastet das Material ist – und damit, ob Sie selbst weiterarbeiten können oder ein Fachbetrieb übernehmen sollte.
Sicherheitsregeln bei Asbestverdacht
- Material vor der Entnahme anfeuchten (Sprühflasche), um Faserfreisetzung zu vermeiden.
- Niemals bohren, schleifen oder brechen – nur ein kleines, bereits loses Stück vorsichtig lösen.
- FFP2-Maske und Einweghandschuhe tragen.
- Probe doppelt in Zip-Beuteln verpacken.
- Arbeitsbereich anschließend feucht reinigen (nicht trocken fegen).
- Eine Sanierung gehört ausschließlich in die Hände von Fachbetrieben nach TRGS 519.
Ein Laborergebnis bezieht sich ausschließlich auf die eingesandte Probe. Bei mehreren Verdachtsflächen oder Materialien sollten Sie deshalb je Material eine eigene Probe einsenden.
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Häufige Fragen zu Schadstoffen beim Renovieren
Ab welchem Baujahr muss ich mit Asbest rechnen?
Asbest kann in allen Gebäuden mit Baubeginn vor dem Verwendungsverbot 1993 stecken. Der Schwerpunkt liegt in den Baujahren 1960 bis 1979 – dort wurde Asbest am häufigsten verbaut, etwa in Asbestzementplatten, Floor-Flex-Bodenplatten und Nachtspeicheröfen.
Woran erkenne ich Teerkleber unter dem Parkett?
Teerkleber ist meist schwarzbraun, spröde und riecht beim Erwärmen teerartig. Sicher unterscheiden lässt sich ein PAK-haltiger Teerkleber von unkritischem Bitumenkleber aber nur im Labor – die Optik allein reicht für eine Bewertung nicht aus.
Muss ich vor einer privaten Renovierung Schadstoffe prüfen lassen?
Für Arbeiten in der eigenen, selbst genutzten Immobilie gibt es keine allgemeine Analysepflicht. Sobald Sie aber Betriebe beauftragen, greifen Pflichten aus der Gefahrstoffverordnung: Als Auftraggeber müssen Sie bekannte Informationen zu Schadstoffen und zum Baujahr weitergeben – bei Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 gilt grundsätzlich Asbestverdacht.
Was kostet eine Schadstoffanalyse?
Die Kosten hängen vom Parameter (z. B. PAK oder Asbest) und den gewählten Optionen ab. Aktuelle Preise und Optionen finden Sie auf schadstoffalarm.de.
Kann ich Materialproben selbst entnehmen?
Ja, kleine Materialproben können Sie in der Regel selbst entnehmen – mit Schutzmaßnahmen wie FFP2-Maske und Einweghandschuhen. Bei Asbestverdacht gelten besondere Sicherheitsregeln: Material anfeuchten, niemals bohren, schleifen oder brechen, Probe doppelt verpacken.
Was mache ich, wenn tatsächlich ein Schadstoff gefunden wird?
Nicht in Panik ausbauen. Zuerst zählt die Bewertung: Menge, Bindungsform und Zustand des Materials entscheiden über das weitere Vorgehen. Fest gebundene, unbeschädigte Materialien können oft zunächst bleiben. Asbestsanierungen gehören ausschließlich in die Hände von Fachbetrieben nach TRGS 519.
Gilt die Baujahr-Tabelle auch für bereits sanierte Häuser?
Nur eingeschränkt. Jede Sanierung mischt die Baujahresklassen: Ein 1965 gebautes Haus mit neuem Dach von 2010 kann im Dach unkritisch sein, im Fußbodenaufbau aber weiterhin Teerkleber oder Floor-Flex enthalten. Entscheidend ist das Alter des jeweiligen Bauteils.
Worauf muss ich nach einem Wasserschaden achten?
Bei der Trocknung und beim Rückbau werden oft Schichten geöffnet, die jahrzehntelang verschlossen waren: alte Kleber unter Estrich und Belägen, Schüttungen, Dämmstoffe. Kommt eine schwarze Kleberschicht oder alte Dämmwolle zum Vorschein, sollte vor dem weiteren Rückbau eine Probe analysiert werden.
Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Einzelfallberatung, Vor-Ort-Begutachtung oder rechtliche Prüfung.
Ein Laborergebnis bezieht sich ausschließlich auf die eingesandte Probe.
Mehrere Verdachtsstellen im Haus?
Analysen für verschiedene Materialien – etwa Kleber, Bodenplatten oder Faserzement – können Sie in einem Vorgang online bestellen und die Proben gemeinsam einsenden.
Aktuelle Preise und Optionen finden Sie auf schadstoffalarm.de.